"CERTAIN
ENCOUNTER" von Oliver Kroh
M 109A1-Panzerhaubitze
im Maßstab 1:35 von Italeri
Die Version M
109A1 wurde 1972 bei der US-Armee als Nachfolgemodell für die M 109
mit kurzem Rohr eingeführt. Hauptgrund war die vor allem im Vietnamkrieg
aufgefallene unzureichende Schussweite der M 109. Hauptmerkmal der Version
-A1 war das um ca. 2,5 Meter längere M 178-Geschützrohr, welches
nun eine Schussweite von 18000 Metern hatte. Es wurden sowohl alte M 109
umgebaut, aber auch neue Fahrzeuge produziert, die die Bezeichnung M 109A1B
erhielten. Mit Einführung der M 109A2 ab 1979 wurden auch die M 109A1mit
dem neuen M 185-Geschützrohr, der ballistischen Haube für das
Rundblickperiskop und dem neuen Geschossbunker am Turmheck nachgerüstet.
Diese Fahrzeuge erhielten die Bezeichnung M 109A3 und sind von der Version
-A2 an den noch vorhandenen Befestigungspunkten für die ehemaligen
Schwimmwände an der Fahrzeugfront zu unterscheiden. Angetrieben werden
alle Varianten vom dem bis heute fast unverändert gebliebenen 8-Zylinder-Detroit-Turbodieselmotor
Typ 8V71T mit 405PS, mit dem die Fahrzeuge eine Höchstgeschwindigkeit
von 56 km/h erreichen.
Der Bausatz
Der Bausatz von
Italeri mit der Nummer 246 ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen,
Detaillierung und Passgenauigkeit können aber, wie ich finde, immer
noch mit heutigen Bausätzen mithalten. Die beiliegende Vinylkette
ist zwar recht schön, aber etwas tu steif, was zu Schwierigkeiten
bei der Montage führen kann. Ich verwendete für mein Modell die
sehr gute Einzelgliederkette von "Sky Bow/AFV-Club". So hatte ich auch
keine Probleme mit der Montage und dem realistischen Durchhängen der
Kette. Mit dem Bausatz lassen sich 4 verschiedene Varianten bauen, Decals
für insgesamt 7 Nationen liegen bei. Leider fehlt bei der Bemalungsanleitung
im Bauplan jeweils die rechte Fahrzeugseite, was gerade bei den Fleckentarnplänen
(MERDC/MASSTER) der US-Fahrzeuge doch recht schade ist. Ansonsten ist die
Bauanleitung klar bebildert und geht auch in den Baustufen auf die entsprechende
Variante ein.
Ich habe mich
für den Bau einer M 109A1 entschieden, wie sie beim Manöver "REFORGER
81" von einer Artillerieeinheit des 5. US-Corps eingesetzt wurde. Neben
der schon am Anfang erwähnten Einzelgliederkette verwendete ich beim
Bau meines Modells den sehr schönen Ätzteilesatz für die
M 109A2 von "Royal Model". Dieser Satz ist zwar für die Version -A2
gedacht, kann aber ohne Abstriche für eine M 109A1 verwendet werden.
Der Bau der
Fahrzeugwanne
Beim Zusammenbau
der Wannenteile gibt es eigentlich keine Probleme. Lediglich bei der Anpassung
von Wannenfront mit den Seitenwänden entstehen kleine Lücken,
die ich verspachtelt und verschliffen habe. Die Klebenaht an der unteren
Wannenfront muss ebenfalls verspachtelt werden, wobei die 6 Haltepunkte
für die ehem. Schwimmwände stehen bleiben müssen, was das
anschließende Verschleifen etwas erschwerte. Die beiden vorderen
Schmutzfänger unterhalb der Scheinwerfer trennte ich ab und ersetzte
sie aus 0,25mm starkes Plastic-Sheet. Bevor die Oberwanne eingeklebt wird,
werden die Vorbereitungen für das Anbringen der Ätzteile getroffen.
So werden die Verriegelungen für die Wartungsklappen und die Abdeckungen
der 3 Winkelspiegel an der Fahrerluke weggeschliffen. Diese werden später
durch entsprechende Ätzteile ersetzt. Weitere Detailverfeinerungen
an der Fahrerluke sind entsprechend der Ätzteileanleitung vorgenommen
worden. An der Rohrstützenhalterung entfernte ich noch die Schwingfedern,
die Auspufföffnung bohrte ich auf und an der Hecktür modifizierte
ich die Kabeltrommelhalterung. Da bei der Version -A1 die beiden Griffe
auf der Fahrerluke fehlen, werden diese nicht angebracht (Teile C-74).
Der Turm
Am Geschützturm
habe ich die meisten Änderungen und Verfeinerungen vorgenommen. So
wurde als erstes die aufgeprägten Rohrwischerstangen auf dem Turmdach
weggeschliffen. Eigentlich sollte man auch die verpackten MG-Ersatzrohre
und die Ausrichtstangen auf dem Turmdach hinter der Rohrwiege entfernen,
dieses habe ich aber gelassen, da ich hier später die eingerollte
Plane darüberlegen werde. An der Turmfront, rechts und links
neben der Rohrhalterung, habe ich dann noch die fehlenden Schraubenköpfe
dargestellt. Dazu bohrte ich zunächst ca. 2mm große, nicht zu
tiefe Löcher, in die ich anschließend die neuen Schraubenköpfe
einsetzte. Die Klebenaht auf der Oberseite der Rohrwiege wird verspachtelt
und verschliffen, da hier keine Planenabdeckung wie bei der Version -A2
zu finden ist. In der Ätzteil-Bauanleitung wird glücklicherweise
auf das Kürzen des Geschützrohres hingewiesen. Dazu muss das
vordere Rohrstück an den Teilen C-66 und C-67 entfernt werden. Nach
der anschließenden Verfeinerung der Kanonenaufnahme durch die Ätzteile
wird das Geschützrohr in die entstandene Öffnung geklebt. Nach
dem Zusammenbau des Turmes können die weiteren Details und Werkzeughalterungen
auf dem Dach mit Ätzteilen dargestellt werden. Ich verzichtete
auf den Einbau des Werkzeuges, da die meisten Fahrzeuge ohne Werkzeugbestückung
unterwegs waren. Der Geschossbunker am Turmheck (Teil C-101) wird entgegen
der Bauanleitung nicht montiert. Die runde Abdeckung für das Richtperiskop
habe ich geöffnet dargestellt. Dafür musste ich den oberen Deckel
von der Rundung darunter abtrennen und die Öffnung im Turmdach aus
einem Rohrstückchen mit 1cm Durchmesser neu gestalten. Die Deckelhalterung
entstand aus 2mm Rundprofil, die Arretierungsstifte aus 0,4mm Kupferdraht,
die ich in entsprechende Bohrungen klebte. An den Turmseiten hinter den
Türen stellte ich noch die Türanschläge und die Verriegelungen
mit Plasic-Sheet-Stückchen und einer kleinen Plastikkugel (Durchmesser
1mm) dar. Die Halterungen und weitere Details der Kästen an den hinteren
Staukörben verbesserte ich mit kleinen Sheet-Stücken und Ätzteilen.
Damit sind die gröbsten Änderungen und Verfeinerungen am Turm
abgeschlossen. Sehr geholfen hat mir bei allen Arbeiten das Heft über
die M 109 von Verlinden, in dem sehr gute Detailfotos vom Turmdach und
der Wanne der Haubitze zu finden sind.
Die Lackierung
Bei der Lackierung
meines Modells orientierte ich mich stark an einem Originalfoto, welches
eine M 109A1-Haubitze während der Übung "Certain Encounter" im
Jahre 1981 zeigt. Das Fahrzeug besitzt den für die damalige Zeit üblichen
MERDC-Anstrich, jedoch in der Ausführung ohne die sandfarbigen Tarnstreifen.
Diese wurden als zu auffällig betrachtet und entweder komplett weggelassen
oder mit schwarzer Farbe übermalt. Als Grundfarbe verwendete ich ein
mit viel Schwarz abgedunkeltes Humbrol H-26 Khaki. In dieser Mischung gab
ich noch etwas Forest-Green von Testors (Nr. 1710). Als nächste Farbe
kam ebenfalls das Khaki H-26 von Humbrol - diesmal unverändert - zum
Einsatz, gefolgt von Schwarz. Das Auftragen der Grundfarbe erfolgte mit
der Airbrush, während ich die anderen beiden Tarnfarben, genau wie
beim Vorbild, mit dem Pinsel aufgetragen habe. Dabei bin ich, genau wie
beim Original, ein wenig vom Fleckenplan abgewichen und habe die Flecken
etwas ungenauer aufgemalt. Nach ca. 3 Tagen Durchtrocknungszeit folgte
das übliche Washing mit verdünnter Ölfarbe. Anschließend
dann die Verschmutzung des Modells mit verschiedenen hellen und dunklen
Erdfarbtönen von Humbrol (H-26, H-62, H-63). Für die Darstellung
von dick anhaftenden Dreck und Matsch, z.B. am Fahrwerk und an den hinteren
Kettenabdeckungen, verwendete ich Tamiya Putty, den ich mit Plastikkleber
verdünnte. Vermischt mit etwas Quarzsand und Statik-Gras betupfte
ich die entsprechende Stellen mit einem alten Pinsel. Für die frischen,
feuchten Verschmutzungen und Matsch benutzte ich mit Schwarz abgedunkeltes
H-62 Braun von Humbrol, in das ich etwas seidenglänzenden Klarlack
mischte. Zum Schluss folgte noch ein dezentes Trockenmalen mit heller Erdfarbe
und die Detailbemalung. Einige Ecken und Kanten an stark beanspruchten
Stellen bemalte ich mit silberner Farbe, um Farbabrieb darzustellen. Die
schwarzen Sterne an den Turmseiten und der Wannenfront malte ich mit Hilfe
der Sternschablone von "Eduard" auf, den Bumper-Code vorsichtig von Hand.
Die gelben Warnmarkierungen an den Seiten entstanden aus Restdecals, die
Manöverkennzeichen aus selbstklebender Folie. Die Zahl "81" entnahm
ich dem "Truck-Line" Decal-Bogen Nr.2810. Die zusammengerollte Plane auf
dem Turmdach entstand aus Papier, das cal.50-MG stammt von Tamiya und wurde
mit Ätzteilen von Eduard aufgewertet. Die Fahrzeugbesatzung lieferte
Verlinden (umgebaute Israeli Tank-Crew mit Köpfen von Hornet), die
geätzten Helm-Mikrofone sind von Royal-Model. Eine passende Blinkleuchte
und die Ersatzlaufrolle fand sich in der "Grabbelkiste". Für die Tarnnetzstangen
verwendete ich 2mm dünne Röhrchen von "Evergreen", die ich gebündelt
an die seitlichen Schrauben klebte. Die bei Übungen gezeigte "Jolly
Roger-Flag" gibt es von "Archer Fine Transfers". Die verschieden großen
Totenkopfsymbole werden einfach auf passend zugeschnittene Alu-Folie aufgerieben.
Als Fahnenstange diente 1mm dicker Kupferdraht, eine passende Spitze fand
sich wiederum in der Ersatzteilkiste.
Die Grundplatte
Ein schwarz eingefärbtes
Stück Pappe benutzte ich als Straßenbelag, den ich danach mit
verschiedenen Erdfarbtönen behandelte. Die weißen Fahrbahnmarkierungen
klebte ich einzeln mit Tesafilm ab und die Kettenspuren entstanden durch
Aufdrücken der bemalten Bausatzkette sowie einer M 113-Kette.
Fazit
Immer noch ein
schöner Bausatz, mit dem man fast alle Varianten darstellen kann.
Mit dem Detail-Set von "Royal-Model" und der Einzelgliederkette kann man
die größten Fehler und Detailschwächen beheben und erhält
ein Modell, das selbst den heutigen Ansprüchen gerecht wird.
Oliver Kroh
Quellen / empfohlene
Literatur:
- Verlinden Warmachines
No.1, M 108, M 109,-A1,-A2
- US-Mechanized
Firepower Today, Zaloga/Meisner
- Jane's Armour
& Artillery
- Rohrartillerie
der US-Army in Deutschland 1945 - 2005, FAHRZEUG-Profile, P.Blume
- Internet
- eigenes Fotoarchiv